Niko Kovač hatte eine Reaktion gefordert. Was er in Berlin bekam, war ein 0:0 bei Union — das dritte sieglose Spiel in Folge nach dem 2:2 gegen Bremen und dem 0:1 bei Bodø/Glimt in der Champions League. Der BVB steckt in der Krise, und der Trainer erreicht seine Mannschaft offenbar nicht mehr. Das ist keine Momentaufnahme mehr, das ist ein Muster.
Appelle ohne Wirkung
Vor dem Spiel hatte Kovač deutliche Worte gewählt: Die Mannschaft müsse „an die Leistungsgrenze gehen“, und: „Das Entscheidende im Fußball ist die Einstellung.“ Nach dem Bodø-Debakel hatte er seinen Spielern vorgeworfen, der Gegner sei „griffiger, schneller, zweikampfstärker“ gewesen. In Berlin war davon nichts zu spüren. Eine Mannschaft, die für ihren Trainer brennt, spielt anders — vor allem, wenn sie zuvor zweimal sieglos blieb.
Stattdessen lieferte der BVB 90 Minuten Beliebigkeit. Karim Adeyemis Ersatz Maximilian Beier vergab in der 56. Minute nach Hereingabe von Julian Ryerson die größte Chance des Spiels, Serhou Guirassy scheiterte in der 89. Minute an Frederik Rønnow. Zwei Chancen in 90 Minuten — für einen Klub mit Meisterschaftsanspruch ist das blamabel harmlos.
Die Zeichen stehen auf Sturm
Noch alarmierender ist die personelle Lotterie: Konstantinos Karetsas kam in der 62. Minute, verletzte sich in der 68. und musste in der 70. Minute schon wieder raus — für ihn kam Julien Duranville. Ein Wechsel, der nichts brachte, außer Symbolkraft: Auch die Bank hilft nicht mehr.
Und die Tabelle lügt nicht: Durch den Bayern-Sieg zogen die Münchner an Dortmund vorbei. Der BVB, noch vor wenigen Wochen Tabellenführer, rutscht ab — und das ausgerechnet in der Phase, in der die Konkurrenz liefert.
Aber: Es war nicht alles schlecht
Zur Wahrheit gehört auch die andere Seite: Der BVB hatte die besseren Chancen. Beiers Großchance und Guirassys Kopfball in der Schlussphase hätten das Spiel entscheiden können — an einem guten Tag gewinnt Dortmund in Berlin 2:0. Und Rønnow im Union-Tor lieferte eine bärenstarke Leistung ab; manchmal scheitert man eben auch an einem überragenden Torwart.
Auch die Defensive stand: Nach den späten Gegentoren der Vorwochen blieb der Kasten diesmal sauber. Das ist die Basis, auf der man aufbauen kann — wenn man denn will.
Dafür spricht: Kovač sitzt noch fest im Sattel
- Der Kader hat Qualität — Beier, Guirassy, Adeyemi können Spiele entscheiden
- Die Defensive blieb in Berlin erstmals seit Wochen ohne Gegentor
- Die Chancen waren da: Mit etwas Glück gewinnt der BVB 2:0
- Kovač hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er Mannschaften aus Krisen führen kann
Dagegen spricht: Die Krise ist real
- Drei sieglose Spiele in Folge — in Liga und Champions League
- Kovačs Appelle („Leistungsgrenze“, „Einstellung“) verhallen wirkungslos
- Offensiv harmlos: zwei echte Chancen in 90 Minuten gegen Union
- Bayern ist vorbeigezogen — der Rückstand an der Spitze wächst